COVID-19: Fokus Herz

Fabian Morsbach
Aristra Dot 10. November 2020

Seit Beginn der Pandemie durch das neue Coronavirus ist das Wissen, wie sich COVID-19 auf den Körper auswirkt, stetig gewachsen. COVID-19 kann man nicht ausschließlich als eine akute, rein respiratorische Erkrankung betrachten, sondern als Multi-Organ-Erkrankung mit teilweise langanhaltenden Symptomen.

Gerade die kardiale Beteiligung (Beteiligung des Herzens) rückt immer mehr in den Fokus, unter anderem weil sich Berichte von Patient:innen mit lang andauernden Erschöpfungssymptomen häufen. Darauf muss sich die medizinische Fachwelt vorbereiten.

Kardiale Beteiligung durch COVID-19

Die Anzahl der Studien, die eine kardiale Beteiligung durch COVID-19 belegen, vergrößert sich und es wird postuliert, dass das Herz häufiger in Mitleidenschaft gezogen wird als angenommen. Erstaunlich hierbei ist auch, dass die Schwere der COVID-19 Erkrankung nicht zwingend mit der Schwere der Herzmuskel- (Myokard-) Schädigung korreliert. Insbesondere das Herz-MRT, welches besonders sensitiv in der Detektion von Veränderungen des Myokards ist, rückt dabei vermehrt in den Fokus.

Einige der interessantesten Studien haben wir für Sie am Ende des Blog-Posts gesammelt (weiterführende Literatur). Hier fassen wir die wichtigsten Aussagen zusammen:

Das Herz-MRT zeigt auch bei asymptomatischen Patienten mit positivem Corona-Test Veränderungen des Myokards. Eine Studie aus Deutschland konnte zeigen, dass unabhängig von der Schwere des Krankheitsverlaufs bei knapp 80% aller Patienten das Myokard strukturelle Veränderungen aufwies. Sorgen bereitet dabei vor allem, dass eine Entzündung des Myokards vorhanden sein kann, auch bei asymptomatischen Patienten.

Bei Sportlern, die sich von einer COVID-19-Infektion erholen, zeigten sich auch in dieser Sub-Population Hinweise auf eine Entzündung des Myokards. In einer weiteren Studie konnten bei ca. der Hälfte der Sportler, sowohl mit als auch ohne Erhöhung des Serum-Troponins (Blutwert, der auf eine Herzmuskelschädigung hinweist), im Herz-MRT typische Veränderungen einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nachgewiesen werden. Hierbei stellt sich die Frage, inwiefern dies in die Empfehlungen zur Wiederaufnahme von sportlicher Aktivität bei Athleten einfließen sollte.

Die Beschreibung von COVID-19-Patienten, die ohne Symptome oder erhöhtes Troponin potentiell myokardiale Schäden haben, wird kritisch gesehen. Jedoch stellt sich dadurch die Frage, wie mit diesen Patienten umgegangen werden soll, da diese Patienten durch konventionelle Tests unterdiagnostiziert sein könnten.

Neben den direkten Schäden, die durch COVID-19 postuliert werden, fanden sich Hinweise auf das vermehrte Auftreten einer Stresskardiomyopathie (Takotsubo disease) seit Beginn der Pandemie. Dies wird jedoch eher auf die Zunahme des sozioökonomischen Drucks durch die Pandemie zurückgeführt als auf eine COVID-19-Erkrankung.

Zusammengefasst lassen sich hieraus noch keine klaren Empfehlungen ableiten, wie genau die kardiale Betreuung eines COVID-19-Patient:in aussehen sollte. Die Herausforderungen, die die Beteiligung des Herzens bei einer Corona-Infektion mit sich bringen, werden wohl zunehmen. Das Herz-MRT wird wahrscheinlich eine Rolle bei der Beurteilung von Patient:innen mit Verdacht auf kardiale Beteiligung, insbesondere bei Patient:innen mit andauernden Symptomen, oder bei Sportlern vor Wiederaufnahme des Trainings, spielen.

MRT Beispiele

Herz-MRT-Beispiele von zwei COVID-19-Patient:innen mit anhaltender kardialer Symptomatik nach dem Abklingen der Akutsymptomatik. Keiner der Patient:innen hatte dokumentierte Myokarditiden (Herzmuskelentzündungen) oder andere kardiale Vorerkrankungen angegeben.

JACC: Cardiovascular Imaging 2020:  Huang et al

Erste Reihe: 60 Jahre alter männlicher Patient, der ein Herz-MRT 2 Monate nach Beginn von Palpitationen (verstärktes Herzklopfen) erhielt.
Zweite Reihe: 29 Jahre alte weibliche Patientin, die ein Herz-MRT 1.5 Monate nach Beginn von Palpitationen erhielt.

Die Bilder zeigen bei beiden Patienten Areale von abnormaler Signalintensität, hinweisend auf myokardiales Ödem (Herzmuskelerguss, weiße Pfeile) und Nekrose (schwarze Pfeile). Zusammen ist dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen entzündlichen Prozess zurückzuführen. Diese Bilder weisen insgesamt auf eine kardiale Beteiligung und andauernde Entzündung des Herzmuskels hin bei Patienten, die kürzlich unter einer akuten COVID-19-Erkrankung litten.

Wenn Sie Interesse an einer MRT zur Abklärung von möglichen Post-Covid Schäden an Ihrem Herzen haben, melden Sie sich noch heute bei uns.

Wir danken Dr. Huang für seine Erlaubnis, diese Bilder nutzen zu dürfen.

Weiterführende Literatur:

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DOI: 10.1161/CIR.0000000000000239

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DOI: 10.1016/j.jchf.2020.06.001

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DOI: 10.1001/jamacardio.2020.2136

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DOI: 10.1001/jamacardio.2020.3557

Rajpal et al., Cardiovascular Magnetic Resonance Findings in Competitive Athletes Recovering From COVID-19 Infection. JAMA Cardiol (2020)
DOI: 10.1001/jamacardio.2020.4916

Tomasoni et al., COVID19 and heart failure: from infection to inflammation and angiotensin II stimulation. Searching for evidence from a new disease. Eur J Heart Fail (2020)
DOI: 10.1002/ejhf.1871

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