Endometriose: Schonende Diagnose durch MRT

12. Juli 2023
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Autor:in
PD Dr. med.
Yasemin Tanyildizi
Fachärztin für Radiologie
Expertin für Neuroradiologie
Inhaltsverzeichnis
Eine Endometriose kann mit einer Vielzahl von Beschwerden einhergehen. Nicht immer sind diese typisch für die Erkrankung. Entsprechend warten viele Patientinnen mehrere Jahre auf eine Diagnose und leben in dieser Zeit mit starken zyklusabhängigen Schmerzen, die den Alltag einschränken können. Meist sind durch Verwachsungen auch andere Organe von Funktionseinschränkungen betroffen. Dies wirkt sich zudem oftmals negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.

Eine individuell angepasste und vor allem frühzeitige Therapie ist für Betroffene wichtig. Eine MRT stellt hier eine schonende Möglichkeit der Diagnostik dar und sollte der typischen Bauchspiegelung zur Verfeinerung der Diagnostik vorangestellt werden.

Was ist Endometriose?

MRT Unterleib bei ARISTRA Illustration
Bei einer Endometriose tritt Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, auch außerhalb der Gebärmutter auf. Meist baut sich dieses Gewebe im monatlichen Zyklus mit auf und dann wieder ab. Problematisch ist, dass das Blut – anders als bei der Gebärmutter – nicht ohne Weiteres abfließen kann. Das Gewebe an anderen Organen als dem Uterus wird auch als Endometrioseherd bezeichnet. Dieses Gewebe kann überall im Bauch vorkommen. Häufig betroffen sind der Darm, die Blase sowie das Bauchfell. Diese Endometrioseherde lassen sich im Rahmen einer MRT sehr gut untersuchen.

Darüber hinaus können Herde auch an den Eierstöcken und den Eileitern auftreten und dann die Fruchtbarkeit beeinflussen.

Gut zu wissen: Eine Endometriose muss nicht zwangsläufig Beschwerden verursachen. Viele Frauen merken erst dann, dass eine Endometriose vorliegt, wenn der Kinderwunsch lange nicht erfüllt wird.

Ursachen einer Endometriose

Die Ursachen einer Endometriose sind nicht restlos geklärt. Es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung der Erkrankung. Hierzu zählt etwa die Annahme, dass Zellen aus der Gebärmutter in andere Körperbereiche wandern und sich dort ansiedeln. Eine andere Theorie geht hingegen davon aus, dass ein gestörtes Zusammenspiel aus Hormonen und dem Immunsystem zugrundliegt.

Entsprechend ist eine Endometriose nach derzeitigem Stand auch nicht heilbar. Es gibt jedoch verschiedene Therapien, um Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch oder starken Beschwerden zu helfen. Außerdem erhofft man sich zeitnahe neue medikamentöse Therapie, die das Rückfallrisiko der Patientinnen nach einer Bachspiegelung entscheidend reduzieren soll.

Symptome einer Endometriose

Eine Endometriose kann viele verschiedene Symptome auslösen. Nicht alle Patientinnen sind von Schmerzen betroffen. Jedoch steigt die Wahrscheinlichkeit für Beschwerden mit dem Fortschreiten der Erkrankung. So ist eine ausgeprägte Endometriose häufig mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen verbunden. Besonders eine tief-infiltrierende Endometriose, welche die Organe betrifft, kann chronische Schmerzen auch unabhängig vom Zyklus auslösen. Zu den gängigsten Symptomen zählen:

  • Unterleibsschmerzen während der Periode / während des Geschlechtsverkehrs
  • Ausstrahlende Schmerzen in Beine, Bauch, Arme und manchmal auch in den Nacken
  • Blähbauch und Schmerzen beim Wasser lassen
  • Verdauungsbeschwerden und Durchfall
  • unerfüllter Kinderwunsch

Dies ist nur ein Auszug möglicher Beschwerden. Leitsymptome sind in vielen Fällen starke Schmerzen während der Periode sowie eine starke und lange Blutung. Eine starke und lange Blutung zeichnet sich durch eine Dauer von mehr als 7 Tagen aus, bei welcher Frauen alle 2 Stunden Binden oder Tampons wechseln müssen.

Gut zu wissen: Starke Periodenschmerzen werden häufig als normal und etwas, womit Frauen umgehen müssen, angesehen. Dies ist jedoch nicht richtig. Ausgeprägte Schmerzen und sehr starke Blutungen sind nicht normal und immer durch eine:n Gynäkolog:in abzuklären.

Diagnose der Endometriose: MRT & Laparoskopie

Eine Endometriose kann mit Zysten einhergehen. Diese sind mit Blut gefüllt, dass nicht ablaufen kann. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt kann Zysten im Ultraschall erkennen. Häufig ist es jedoch schwierig einzuordnen, ob es sich um eine unauffällige Follikelzyste oder eine Endometriosezyste (auch Schokoladenzyste genannt) handelt. Bildet sich die Zyste nicht innerhalb weniger Zyklen zurück, ist eine genauere Abklärung sinnvoll. Doch nicht immer lassen sich Zysten auf dem Ultraschall erkennen und dennoch bestehen typische Symptome.

MRT bei Endometriose

PD Dr. med. Yasemin Tanyildizi
PD Dr. med. Yasemin Tanyildizi

Fachärztin für Radiologie
Expertin für Neuroradiologie
PD Dr. med. Yasemin Tanyildizi ist Fachärztin für Radiologie. Sie ist Expertin für Neuroradiologie und hat lange Jahre an der Universitätsmedizin Mainz geforscht und habilitiert. Sie hat außerdem zahlreiche Auslandsaufenthalte unter anderem in Australien und in der Türkei absolviert und ist Autorin wichtiger internationaler wissenschaftlicher Publikationen.
PD Dr. med. Yasemin Tanyildizi ist Fachärztin für Radiologie. Sie ist Expertin für Neuroradiologie und hat lange Jahre an der Universitätsmedizin Mainz geforscht.
Dr. med. Andrea Ertmer
Dr. med. Andrea Ertmer

Fachärztin für Radiologie
Expertin für Mammabildgebung
Dr. med. Andrea Ertmer ist Fachärztin für Radiologie mit dem Schwerpunkt Mammabildgebung. Außerdem ist Sie Expertin für die MRT der Endometriose und Adenomyose.
Dr. med. Andrea Ertmer ist Fachärztin für Radiologie mit dem Schwerpunkt Mammabildgebung. Außerdem ist Sie Expertin für die MRT der Endometriose und Adenomyose.
Dr. med. Kai-Thorsten Müller
Dr. med. Kai-Thorsten Müller

Facharzt für Radiologie
Experte für Abdomen, Neurologie und Orthopädie
Dr. med. Kai-Thorsten Müller hat langjährige Erfahrung im Bereich Schnittbilddiagnostik, insbesondere in der muskuloskelettalen Radiologie (MSK), Neurologie, der Abdominellen Bildgebung und der MR-Mammographie.
Dr. med. Kai-Thorsten Müller hat langjährige Erfahrung in der muskuloskelettalen Radiologie (MSK), Neurologie, der Abdominellen Bildgebung und der MR-Mammographie.
Hier kommt die MRT ins Spiel. Die Magnetresonanztomographie arbeitet mit einem starken Magnetfeld und kann auf diese Weise den Körper Schicht für Schicht darstellen. Die Untersuchung läuft strahlenfrei und in Rückenlage ab und dauert etwa 20 Minuten. Eine MRT ist eine nicht-invasive Untersuchung.

Die Radiolog:innen können auf den Aufnahmen Zysten ebenso wie Endometrioseherde lokalisieren. Die MRT ist für Patientinnen in der Abklärungsphase meist eine angenehmere Behandlung als die direkte Durchführung einer Bauchspiegelung. Zeigen sich auf der MRT keinerlei Veränderungen im Bauchraum, verläuft die Endometriose entweder ohne Entzündungsherde und umfangreiche Zysten oder den Beschwerden liegt eine andere Erkrankung zugrunde. Die MRT kann in der Regel ohne Kontrastmittel durchgeführt werden.

Zeitpunkt einer Endometriose-MRT

Eine MRT-Untersuchung bei Verdacht auf Endometriose wird ab dem 8. Zyklustag bis hin zum Einsetzen der Periode durchgeführt. Während dieser Phase des Zyklus lassen sich Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke ebenso wie mögliche Zysten und Endometrioseherde sehr gut beuerteilen. Ein neuer Zyklus beginnt am ersten Tag der Periode.

Endometrioseherde in der MRT erkennen

Endometrioseherde können in verschiedenen Bereichen des Körpers auftreten. Häufig ist darum eine weiterführende MRT-Untersuchung sinnvoll. Wurde in einer ersten Untersuchung der Unterleib untersucht, können in einer weiteren MRT verschiedene Organe auf Entzündungsherde hin geprüft werden. Meist gehen die Herde mit Beschwerden einher. So kann etwa bei Herden in der Darmwand der Stuhlgang gestört sein. Bei Entzündungsherden in der Lunge können hingegen Brustschmerzen und Auswurf von blutigem Sekret auftreten.

Je nachdem, unter welchen Begleiterscheinungen eine Patientin leidet, bieten wir bei ARISTRA entsprechende MRT-Untersuchungen an, um den Körperbereich einer genauen Untersuchung zu unterziehen. Dies schafft Sicherheit und ermöglicht, eine umfassende Behandlung im Nachgang an die MRT. In manchen Fällen kann dabei die Gabe eines Kontrastmittels sinnvoll sein, um den jeweiligen Bereich umfassend untersuchen zu können.

Laparoskopie bei Endometriose

Wurden im Rahmen einer MRT Anzeichen einer Endometriose aufgedeckt, kann die Diagnose durch eine laparoskopische Bauchspiegelung gesichert werden. Dabei handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff. Im Rahmen der Operation kann sich der Arzt ein genaues Bild des Bauchraums machen. Entzündungsherde, Verwachsungen und Zysten werden dabei in der Regel direkt entfernt. Auf diese Weise werden die Beschwerden der Patientin häufig gelindert.

Risikofaktoren einer Endometriose

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die das Auftreten einer Endometriose wahrscheinlich machen. Gegen die meisten dieser Risikofaktoren können Betroffene wenig tun. Es kann allerdings zu einer rascheren Diagnose und Behandlung beitragen, sofern endometriosetypische Beschwerden auftreten. Folgende Risikofaktoren können die Endometriose begünstigen:

  • genetische Disposition
  • kurze Menstruationszyklen von weniger als 27 Tagen
  • späte erste Schwangerschaft bzw. keine Schwangerschaft
  • frühe erste Periode

Therapiemöglichkeiten bei Endometriose

Die Therapie einer Endometriose läuft im besten Fall interdisziplinär ab. Denn das Erkrankungsbild nimmt Einfluss auf viele verschiedene Bereiche des Lebens. Auch die jeweilige Situation der betroffenen Patientin ist ausschlaggebend.

Da sich das Endometrium im Laufe des Zyklus auf- und abbaut, kann eine hormonelle Therapie dabei helfen, die Beschwerden zu lindern. Die Anti-Baby-Pille gibt es in verschiedenen hormonellen Zusammensetzungen. Viele Frauen können oder wollen jedoch keine künstlichen Hormone zu sich nehmen – insbesondere dann, wenn ein Kinderwunsch besteht. Gegen die starken Schmerzen können Schmerzmittel eingesetzt werden. Manchen Frauen hilft zudem leichte Bewegung.

Die operative Entfernung von Endometrioseherden kann die Beschwerden ebenfalls lindern. Da im Zuge dieser Operation meist auch Verwachsungen entfernt werden, haben auch Frauen mit eingeschränkter Fruchtbarkeit die Chance auf Nachwuchs.

Gut zu wissen: Die zuvor angefertigten MRT-Aufnahmen sind oftmals eine wichtige Stütze für die weitere Therapie der Endometriose und können Ärzt:innen und Patientinnen bei der Wahl einer geeigneten Behandlung unterstützten.

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