Was ist CMD?

Craniomandibuläre Dysfunktion – kurz CMD – bezeichnet eine Fehlfunktion des Kausystems, die häufig zu Schmerzen und Funktionsstörungen im Kiefergelenk und der Kaumuskulatur führt. Typische Symptome sind Schmerzen oder Geräusche im Kiefergelenk, Gesichts-, Kopf- oder Ohrenschmerzen, Schwindelgefühle und Zahnbeschwerden.
Vermutlich spielen bei der Entstehung Fehlstellungen zwischen Kiefer und Schädel, Stress oder nächtliches Zähneknirschen eine Rolle. Ein exaktes Bild der Kiefergelenkanatomie liefert die Kernspintomografie. Diese Untersuchung – auch als MRT (Magnetresonanztomografie) bekannt – ist wichtiger Baustein jeder Therapie. Hier schildern wir Symptome und Ursachen, erklären die bildgebende Diagnostik und zeigen mögliche Behandlungswege.
Vermutlich spielen bei der Entstehung Fehlstellungen zwischen Kiefer und Schädel, Stress oder nächtliches Zähneknirschen eine Rolle. Ein exaktes Bild der Kiefergelenkanatomie liefert die Kernspintomografie. Diese Untersuchung – auch als MRT (Magnetresonanztomografie) bekannt – ist wichtiger Baustein jeder Therapie. Hier schildern wir Symptome und Ursachen, erklären die bildgebende Diagnostik und zeigen mögliche Behandlungswege.
Welche Symptome hat CMD?
Dr. med.
Andreas Kasperczyk
Facharzt für Radiologie
Experte Bewegungsapparat und Kiefergelenke
Dr. med. Andreas Kasperczyk ist Facharzt für Radiologie und Experte im Bereich Muskuloskelettale Radiologie, der Kiefergelenke (CMD) und der MR-Mammographie. Als Leiter einer eigenen Praxis konnte er jahrelange Erfahrung im Bereich Kiefergelenk-Diagnostik sammeln, die er jetzt für ARISTRA erfolgreich einsetzt.
Dr. med. Andreas Kasperczyk ist Facharzt für Radiologie und Experte im Bereich Muskuloskelettale Radiologie, der Kiefergelenke (CMD) und der MR-Mammografie.
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Die Cranio-Mandibuläre Fehlfunktion äußert sich in verschiedenen Anzeichen, die oft im Bereich des Kiefers und der Kaumuskulatur auftreten und in Intensität und Häufigkeit stark variieren können. Typisch sind:
- Schmerzen im Kiefergelenk
- Gelenkgeräusche (Knacken oder Reiben)
- Schwierigkeiten beim Kauen, Schlucken oder Sprechen
- Kieferblockaden und eingeschränkte Mundöffnung
Symptome und Ursachen sind bei der Erkrankung selten eindeutig trennbar: Zähneknirschen (Bruxismus) wird als häufigste Ursache angeführt, gilt aber ebenso als typisches Symptom.
Welche Begleitsymptome können bei CMD auftreten?
Neben den typischen Anzeichen rund um Kiefer und Kaumuskulatur treten bei Patienten mit Craniomandibulärer Dysfunktion auch andere Beschwerden auf, sogenannte Begleitsymptome. Sie können nicht nur den gesamten Körper betreffen, sondern auch emotionalen Stress auslösen. Dazu zählen:
- Zahn- und Zahnfleischerkrankungen
- Migräne, Kopf- oder Gesichtsschmerz
- Berührungsempfindlichkeit am Kopf
- Tinnitus oder Ohrenschmerzen
- Schwindelgefühle
- Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, manchmal auch im gesamten Bewegungsapparat
- Bandscheibenprobleme
- Beckenschiefstand
Häufig leiden CMD-Patienten unter vielen verschiedenen Beschwerden, die sie selbst kaum miteinander in Verbindung bringen. Die Zeit vor der Diagnosestellung wird häufig als psychisch belastend empfunden.
Wann zum Arzt mit einer CMD?
Es ist ratsam, bei anhaltenden oder zunehmenden Symptomen wie Schmerzen im Kiefer oder der Kaumuskulatur, Kopfschmerz oder Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich einen Arzt aufzusuchen. Vor allem, wenn diese Beschwerden Ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Auch wenn Ihr Kiefer anders aussieht, sich anders anfühlt als sonst oder weitere Symptome oder Begleitsymptome auftreten, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen. Der Arzt wird Ihnen Fragen zu Ihren Beschwerden stellen und eine gründliche Untersuchung des Kiefers und der Gelenke durchführen. Danach erfolgen in der Regel die Diagnose und eine entsprechende Therapieempfehlung.
Welche Ursachen führen zu einer Craniomandibulären Dysfunktion?
Die CMD kann verschiedene Ursachen haben: Es gibt z. B. Hinweise darauf, dass eine Kraniomandibuläre Dysfunktion mit verspannungsbedingten Schmerzen in anderen Körperregionen zusammenhängt. So können sich Schmerzen z. B. im Nackenbereich über Nerven-, Muskel- und Faszien-Verbindungen – sogenannte neuromyofaszile Verbindungen – bis in die Fußregion auswirken. Bruxismus – das (oft nächtliche) Zähneknirschen wird häufig ebenfalls als Auslöser angeführt. Auch Fehlhaltungen und mangelnde Bewegung begünstigen möglicherweise die Entstehung der Craniomandibulären Dysfunktion. Psychischer Stress aufgrund beruflich oder privat belastender Umstände kann die Beschwerden verstärken.
Fehlstellungen als Auslöser von CMD-Beschwerden
Fehlende Zähne oder Zahnfehlstellungen können ein Ungleichgewicht im Kiefergelenk verursachen und CMD-Symptome auslösen. Dies gilt ebenso für schlechtsitzenden Zahnersatz wie Brücken oder Kronen. Norm- und Formvarianten bei Gelenken – hier: des Kiefergelenks – beziehen sich auf Abweichungen von der typischen Gelenk-Anatomie. Oft liegen sie innerhalb eines normalen Bereichs und haben keine pathologische Bedeutung. Manchmal gehen die abweichenden Gelenkstellungen jedoch mit klinischen Beschwerden einher, insbesondere wenn sie zu einer Überbeanspruchung oder Instabilität führen. So können bestimmte Norm- und Formvarianten des Kiefergelenks zur Ausprägung einer Craniomandibulären Dysfunktion beitragen.
Wie wird CMD diagnostiziert?
Eine eindeutige Diagnose der Craniomandibulären Dysfunktion erfordert oft eine Funktionsanalyse beim Zahnarzt, da eine Fehlfunktion des Kiefergelenks nicht immer sichtbar oder spürbar ist. Hier werden folgende Methoden angewendet:
- Klinische Funktionsanalyse: Durch Abtasten des Kieferbereichs stellt der Arzt das Ausmaß der Störung fest und grenzt die von Schmerzen betroffenen Areale ein. Untersucht wird außerdem die seitliche Bewegung der Gelenke und die Kaubewegung mit möglichen Auswirkungen auf die Gelenkkapseln.
- Strukturanalyse: Einzelne Elemente des Kauapparates wie das Kiefergelenk, die Kapseln, Muskeln und Bänder werden auf ihr Verhalten in verschiedenen Belastungsrichtungen untersucht.
- Instrumentelle Funktionsanalyse: Mit verschiedenen instrumentellen Verfahren werden Funktion und Zustand von Kiefergelenk und Kauapparat gemessen, abgebildet und analysiert. Dazu gehören z. B. die Elektromyografie (EMG), die elektronischen Kieferregistrierung (CMD-Check), die Kontaktpunktmessung (T-Scan), die Ultraschalluntersuchung des Kiefergelenks oder die Magnetresonanztomographie (MRT).
CMD in der MRT: Dynamische Funktionsdiagnostik

Genormte Einstellungen der Schnittebenen zur notwendigen Vergleichbarkeit von Befunden

Genormte Einstellungen der Schnittebenen zur notwendigen Vergleichbarkeit von Befunden

Angeborene Formvariante mit atypisch runden Kieferköpfchen. Die Kondylenachsen (Winkel der Kieferköpfchen zur Mittellinie) lassen sich nicht exakt bestimmen

MRT-Aufnahme mit geschlossenem Mund. Die schwarze Struktur oberhalb des Kieferköpfchens ist der sog Discus articularis, (Gelenkscheibe, vergleichbar mit den Menisken im Kniegelenk).

MRT-Aufnahme mit geöffnetem Mund. Hier ein Normalbefund mit regelrechter Discus- Lage und normalem Discus- Gleiten bei Mundöffnung.
Die Kiefergelenks-MRT liefert dreidimensionale Bilder beider Gelenke eines Patienten. Das Verfahren ist strahlenfrei und nicht-invasiv. Bei ARISTRA wenden wir bei Verdacht auf Craniomandibuläre Dysfunktion ein dynamisches Bildgebungsprotokoll an: den Scan „MRT-Kiefergelenke“. Die Aufnahmen erfolgen nach genormten Standards, damit zu verschiedenen Untersuchungszeitpunkten aufgenommene Bilder exakt vergleichbar sind. Eine dynamische MRT der Gelenke des Kiefers zeigt krankhafte Veränderungen schon in einem frühen Stadium und ermöglicht so eine frühzeitige CMD-Behandlung.
Indikationen für eine funktionelle MRT
Die Magnetresonanztomographie des Kauapparates ergibt bei Verdacht auf eine Dysfunktion folgende wichtige Erkenntnisse für eine Diagnose:
- Darstellung der Gelenkanatomie des Kiefers mit der Gelenkscheibe (Discus) bei geschlossenem und geöffnetem Mund und – falls bereits vorhanden – auch mit einer Aufbiss-Schiene
- Abbildung symptomatischer Norm- und Formvarianten der Gelenke
- Darstellung pathologischer Veränderungen von Gelenk und Discus
- Ausmessung der Lage des Kieferköpfchens in der Pfanne und der Lage des Discus unter Behandlung
Diese Informationen geben wichtige Hinweise für beginnende Behandlungen und das Therapie-Monitoring. Sie tragen so grundlegend zum Behandlungserfolg bei.
Zu welchem Arzt geht man bei einer CMD?
Ihr erster Ansprechpartner bei Beschwerden im Kiefergelenkbereich ist der Zahnarzt. Bei Verdacht auf Craniomandibuläre Dysfunktion kann dieser eine Diagnose stellen oder an einen Kieferorthopäden bzw. spezialisierten Arzt für Kiefergelenkprobleme überweisen. Spezialisierte Radiologen tragen mit einer (funktionellen) MRT entscheidend zu einer präzisen Diagnose bei. Diese erfolgt idealerweise schon frühzeitig im Verdachtsfall, damit eine eventuell folgende Therapie zeitnah beginnen kann. Physio- oder Schmerztherapeuten werden zur Behandlung der Beschwerden bei einer Craniomandibulären Dysfunktion ebenfalls häufig hinzugezogen.
Wie wird eine Craniomandibuläre Dysfunktion behandelt?
Die Erkrankung ist gut behandelbar: Deutliche Verbesserungen sind häufig auch ohne operativen Eingriff möglich. Kernstück der zahnmedizinischen CMD-Therapie ist eine Okklusionsschiene, auch Aufbiss-Schiene genannt. Sie reguliert Fehlkontakte der Zähne, entkoppelt den Biss und entlastet die Gelenke. Häufig werden allein durch den Einsatz einer Schiene Schmerzen und Beschwerden reduziert. Der Biss ist außerdem durch Zahnaufbauten oder die Anpassung von Zahnersatz korrigierbar. Verspannungen rund um die Kiefergelenke werden mit manueller Therapie gelockert. Auf diese Weise können Schmerzen deutlich gelindert werden. Bei akuten Beschwerden helfen Schmerzmittel oder Entzündungshemmer.
Welche Übungen helfen bei einer Craniomandibulären Dysfunktion?
Es gibt einige Übungen aus der Physio- und Psychotherapie, die CMD-Symptome reduzieren und die Muskulatur kräftigen und entspannen:
- Kieferdehnung: Öffnen Sie Ihren Mund so weit wie möglich und halten Sie diese Position für einige Sekunden. Wiederholen Sie dies mehrmals.
- Gesichtsmassage: Massieren Sie sanft Ihre Wangen-, Kiefer- und Schläfenbereiche.
- Hals- und Schultermuskulaturdehnung: Dehnen Sie die Muskeln im Hals- und Schulterbereich und halten Sie diese Positionen für einige Sekunden.
- Entspannungsübungen: Progressive Muskelentspannung oder Yoga wirken entspannend und bauen Stress ab – Stress zählt zu den Hauptursachen von Craniomandibulärer Dysfunktion.
Gehen Sie die Übungen langsam an und fragen Sie bei Schmerzen oder Unwohlsein Ihren behandelnden Arzt oder Therapeuten um Rat.
Quellen: Leitlinien, Studien, Ratgeber
Quellen und Leitlinien
- Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie
https://www.dgfdt.de/ - Universitätsspital Zürich
https://www.usz.ch/krankheit/craniomandibulaere-dysfunktion/ - DocCheckFlexikon
https://flexikon.doccheck.com/de/Craniomandibul%C3%A4re_Dysfunktion - Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik
https://www.gzfa.de/diagnostik-therapie/cmd-craniomandibulaere-dysfunktion/cmd-symptome/ - Ärzte- und Behandlernetzwerk e. V.
https://www.cmd-koeln.info/cmd-craniomandibulaere-dysfunktion/cmd-ursachen/ - Netdoktor
https://www.netdoktor.de/krankheiten/cmd/
Studien
- GZFA-Patientenstatistik und Zahlen zu Craniomandibulären Dysfunktionen in der Bevölkerung
https://www.gzfa.de/diagnostik-therapie/cmd-craniomandibulaere-dysfunktion/cmd-symptome/cmd-statistik/ - Aktuelle Meldungen aus der Fachliteratur beim CMD Dachverband e. V.
https://cmd-dachverband.de/newsticker/ - Bedeutung des ganzheitlichen Therapieansatzes bei der Dysfunktion – Bericht von Dr. Jürgen Dapprich, vorgestellt auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) 2021
https://dentalmagazin.de/praxiszahnmedizin/funktionsdiagnostik/cmd-interdisziplinaere-symptome-und-therapie/ - Studien rund um CMD und ihre Publikationsorte bei der CMD Integrativ, dem Infoportal für die Craniomandibuläre Dysfunktion
https://www.cmd-integrativ.de/publikationen/studien.html
Ratgeber
- Liebscher & Bracht Die Schmerzspezialisten - Das Schmerzlexikon – CMD
https://www.liebscher-bracht.com/schmerzlexikon/cmd-craniomandibulaere-dysfunktion/ - Münchener Verein – Ratgeber – Zahngesundheit – CMD
https://www.muenchener-verein.de/ratgeber/zahngesundheit/krank-durch-zaehne-kiefer-cmd-ursachen-symptome-und-behandlung/ - CMD Syndrom – Ratgeber Nerven
https://www.ratgeber-nerven.de/rueckenschmerzen/haeufige-arten/cmd/ - CMD Compact Gerd Christiansen „CMD und der verlorene Biss | Ein Leitfaden für Betroffene und Behandler“ pdf-Download
https://cmd-compact.de/fachbuecher_cmd/fachbuch_patientenratgeber/

