Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?
Welche Sehnen entzünden sich häufig?
Sehnen, an denen typischerweise Sehnenscheidenentzündungen auftreten:
Sehnen, die sich typischerweise in ihrem Ansatzbereich entzünden:
- Schultersehnen (Rotatorenmanschette)
- Beuge- und Strecksehnen am Ellenbogen (Golfer- bzw. Tennis-Ellenbogen)
- Gesäßmuskeln am Hüftknochen (Bursitits trochanterica)
- Achillessehne
- Plantarfaszie (Fußsohle)
Symptome einer Sehnenscheidenentzündung
Typische Symptome:
- stechende und ziehende Schmerzen, vor allem bei Bewegung
- Schwellung, Rötung und Erwärmung des betroffenen Bereichs
- Verhärtung
- Druckschmerz entlang des Sehnen- und Muskelverlaufs
- Knirschen bei Bewegung
Sonderform Schnappfinger
Sonderform akute Sehnenscheidenentzündung
Ursachen
Chronische Überlastung
Eine chronische Überlastung kann vor allem durch folgende Tätigkeiten bzw. in folgenden Berufsgruppen auftreten:
- Arbeiten am PC oder Schreibtisch
- Arbeiten in Haus und Garten
- Handwerker:innentätigkeiten
- Musiker:innen (Geige, Gitarre, Klavier)
- Sporler:innen (Tennis, Golf, Turnen, Rudern, Hanteltraining, Klettern/Bouldern, Wurfsportarten, Ballett)
Chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen
Auch bei folgenden chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen kann eine begleitende Sehnenscheidenentzündung auftreten:
- Arthritis
- systemische Sklerose
- Gicht
Sonstiges
Daneben gibt es noch weitere Ursachen:
- Diabetes mellitus
- bakterielle Infektionen
- Medikation mit Antibiotika
Diagnose
Anamnese
- Bei welchen Tätigkeiten und zu welchen Zeiten treten die Schmerzen auf?
- Wo genau treten die Schmerzen auf?
- Wie lange halten die Schmerzen in der Regel an?
- Gibt es sich wiederholende, monotone Bewegungsabläufe – beruflich oder privat?
Klinische Untersuchung
- Tastuntersuchung des betroffenen Bereichs
- Test der Beweglichkeit des betroffenen und angrenzenden Bereichs
- Ultraschalluntersuchung der Sehne
Schulter
Beim An- und Ausziehen sowie beim Anheben des Armes treten typischerweise in einem bestimmten Winkelbereich zwischen ca. 40° und 120° Schmerzen auf. Nachts fällt das Schlafen auf dem betreffenden Arm schmerzbedingt schwer.
Ellenbogen
Eine Entzündung der Sehnenursprünge der Finger- und Handbeugemuskulatur (Innenseite des Ellenbogens) nennt man Golfer-Ellenbogen.
Eine Entzündung der Sehnenursprünge der Streckmuskulatur des Unterarms (Außenseite des Ellenbogens) hingegen nennt man Tennis-Ellenbogen oder Tennisarm.
Handgelenk
Die Sehnenscheidenentzündung am Daumen (Tendovaginitis stenosans de Quervain) tritt besonders häufig durch Schreibtischarbeit am Computer oder durch Fehlhaltung und Überlastung beim Schreiben mit der Hand auf. Dabei entzünden sich die Sehnenscheiden des langen Daumenabspreizers bzw. des kurzen Daumenstreckers. Besonders häufig betroffen sind stillende Mütter und Frauen nach der Menopause.
Eine weitere typische Stelle für eine Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk ist der Karpaltunnel auf der Handinnenseite. Hier ziehen die Handbeugesehnen gemeinsam mit dem Nervus medianus durch einen knöchernen Kanal, der von einer Bindegewebsplatte überdeckt wird – den Karpaltunnel. Eine Sehnenscheidenentzündung der Beugesehnen führt zur Kompression des Nervus medianus. Typischerweise klagen Patient:innen in der Folge über nächtliche Ruheschmerzen in der Hand und in den Fingern.
Hüfte
Fuß
Bei sportlich aktiven Menschen treten aber auch Sehnenscheidenentzündungen im Bereich von Innen- und Außenknöchel auf: innenseitig an der Tibialis-posterior-Sehne und außenseitig an den Peronealsehnen sowie vorne an den Strecksehnen des Fußes.
MRT
Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann die einzelnen Sehnen hochaufgelöst darstellen und mögliche Entzündungen nachweisen. Vor allem folgende Ursachen sind gut zu erkennen:
- Schwellung der Sehne und der Sehnenscheide
- Einrisse in den Sehnen
- Anlagevarianten, die das Auftreten der Sehnen- oder Sehnenscheidenentzündung begünstigen
- Mitreaktion der angrenzenden knöchernen Strukturen und Gelenke
Auch andere Differenzialdiagnosen (beispielsweise Veränderungen an Bändern und Gelenkkapsel) lassen sich dabei zuverlässig nachweisen bzw. ausschließen, sodass die Behandlung fokussiert auf das zugrunde liegende Problem ausgerichtet werden kann.
Eine Kontrastmittelgabe kann bei unklaren Befunden oder zur genaueren Unterscheidung von Krankheitsprozessen in Einzelfällen notwendig sein.
Sehnenscheidenentzündung: Therapie
Konservative Therapiemaßnahmen
- Schonung
- Sportpause
- Ruhigstellung mit einer Schiene (Orthese), mit einem Gips, mit Tape-Verbänden oder Bandagen
- Kälteanwendung, z. B. Quarkwickel oder Kühlpads
- Wärmeanwendung
- Medikamente
- entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente, typischerweise nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) für 7 bis 10 Tage
- lokale Kortisoninjektion mit oder ohne Lokalanästhetika
- Medikamente zur Behandlung der Grunderkrankung bei Rheuma, Gicht oder ähnlichen Krankheiten
- Antibiotika bei bakteriellen Sehnenscheidenentzündungen
Operationen
Je nachdem, welcher Bereich betroffen bzw. was die Ursache ist, kommen verschiedene Operationsverfahren in Betracht:
- Entlastung von Engpasssyndromen, z. B. an der Schulter oder im Karpaltunnel
- Entfernung des entzündeten Gewebes bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen, z. B. Rheuma
- Entfernung von Narbengewebe, das die Beweglichkeit der Sehnen behindert
Alternative Therapien
- Physio- und/oder Ergotherapie: Eine auf die Beschwerden angepasste Bewegungstherapie kann helfen, den Alltag besser zu meistern.
- Faszientraining: Bei der Faszientherapie wird vor allem mit gezieltem Druck und Dehnung gearbeitet, um die betroffenen Stellen zu entlasten.
- Akupunktur, Elektro- oder Ultraschalltherapie: Diese Behandlungsmöglichkeiten unterstützen die medizinische Behandlung und können Schmerzen lindern.
- Laser-Therapie: Durch einen Laser wird der Stoffwechsel im betroffenen Bereich angeregt. So kommt es zu einer Abschwellung und Linderung der Schmerzen.
- PRP-Therapie (Eigenbluttherapie): Dabei wird plättchenreiches Plasma aus dem patient:inneneigenen Blut gewonnen, da dieses reich an Wachstums- und entzündungshemmenden sowie regenerativen Faktoren ist.
- Osteophatie: Diese ist vor allem bei Fehl- und Überbelastungen sehr hilfreich.

