Sehnen­scheiden­ent­zündung – Symptome, Diagnose und Behandlung

30. August 2023
Autor:innen
Autor:in
Jonas Roesler
Facharzt für Radiologie
Experte für den Bewegungsapparat
Inhaltsverzeichnis
Die Sehnen im Körper verbinden Muskeln mit den Knochen, die sie bewegen. Sie verlaufen durch Hüllen aus Bindegewebe, die Sehnenscheiden, welche ein reibungsloses Gleiten ermöglichen.

Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?

Bei andauernder Überlastung durch sich wiederholende, gleichförmige Bewegungsabläufe können sich Sehnenscheiden und/oder Sehnen entzünden. Oft tritt die Erkrankung schleichend auf und verschlechtert sich kontinuierlich.

Welche Sehnen entzünden sich häufig?

Sehnen, an denen typischerweise Sehnenscheidenentzündungen auftreten:

  • Sehnen am Daumen, die den Daumen nach außen bewegen
  • Beugesehnen des Fingers (Schnappfinger)
  • Sehnen innen und außen sowie vorne am Fuß

Sehnen, die sich typischerweise in ihrem Ansatzbereich entzünden:

  • Schultersehnen (Rotatorenmanschette)
  • Beuge- und Strecksehnen am Ellenbogen (Golfer- bzw. Tennis-Ellenbogen)
  • Gesäßmuskeln am Hüftknochen (Bursitits trochanterica)
  • Achillessehne
  • Plantarfaszie (Fußsohle)

Symptome einer Sehnen­scheiden­ent­zündung

Durch die Entzündung schwillt die Sehnenscheide an. Dies kann auch äußerlich sichtbar sein. Schon bei geringen Bewegungen treten dann erhebliche Schmerzen auf. Durch die Verdickung der Sehne kann es bei Bewegung außerdem zu einem unangenehmen Reiben der Sehne kommen.

Typische Symptome:

  • stechende und ziehende Schmerzen, vor allem bei Bewegung
  • Schwellung, Rötung und Erwärmung des betroffenen Bereichs
  • Verhärtung
  • Druckschmerz entlang des Sehnen- und Muskelverlaufs
  • Knirschen bei Bewegung

Sonder­form Schnapp­finger

Eine Sonderform der Sehnenscheidenentzündung an den Fingern ist der sogenannte schnellende Finger, auch Schnappfinger genannt. Hierbei führt die Verdickung einer Beugesehne eines Fingers zur Einklemmung und damit zur Bewegungseinschränkung der Sehne. Der Finger kann nur mit hohem Kraftaufwand bewegt werden, bis es plötzlich zu einer schnellenden Bewegung kommt.

Sonder­form akute Sehnen­scheiden­ent­zündung

Zu unterscheiden von der chronischen Sehnenscheidenentzündung ist die seltene akute bakterielle Sehnenscheidenentzündung, die oftmals auch mit Allgemeinsymptomen wie Fieber oder Schüttelfrost einhergeht. Diese Erkrankung erfordert eine notfallmäßige ärztliche Diagnostik und sofortige Therapie.

Ursachen

Folgende Ursachen können zu einer Entzündung der Sehnen und/oder der Sehnenscheiden führen:

Chronische Überlastung

Eine chronische Überlastung kann vor allem durch folgende Tätigkeiten bzw. in folgenden Berufsgruppen auftreten:

  • Arbeiten am PC oder Schreibtisch
  • Arbeiten in Haus und Garten
  • Handwerker:innentätigkeiten
  • Musiker:innen (Geige, Gitarre, Klavier)
  • Sporler:innen (Tennis, Golf, Turnen, Rudern, Hanteltraining, Klettern/Bouldern, Wurfsportarten, Ballett)

Chronisch-entzündliche Gelenk­erkrankungen

Auch bei folgenden chronisch-entzündlichen Gelenk­erkrankungen kann eine begleitende Sehnen­scheiden­ent­zündung auftreten:

  • Arthritis
  • systemische Sklerose
  • Gicht

Sonstiges

Daneben gibt es noch weitere Ursachen:

  • Diabetes mellitus
  • bakterielle Infektionen
  • Medikation mit Antibiotika

Diagnose

Die Diagnose stellt in der Regel der bzw. die behandelnde Hausärzt:in oder Fachärzt:in für Orthopädie. Diese:r wird zunächst die aktuellen Beschwerden und ihre Entstehungsgeschichte erfragen und dann eine Reihe von Untersuchungen folgen lassen.

Anamnese

Folgende Fragen zu den Beschwerden und deren Entstehung werden hier gestellt:
  • Bei welchen Tätigkeiten und zu welchen Zeiten treten die Schmerzen auf?
  • Wo genau treten die Schmerzen auf?
  • Wie lange halten die Schmerzen in der Regel an?
  • Gibt es sich wiederholende, monotone Bewegungsabläufe – beruflich oder privat?
Wie wurden die Beschwerden bisher behandelt?

Klinische Untersuchung

Folgende klinische Untersuchungen werden dann bei Bedarf durchgeführt:
  • Tastuntersuchung des betroffenen Bereichs
  • Test der Beweglichkeit des betroffenen und angrenzenden Bereichs
  • Ultraschalluntersuchung der Sehne

Schulter

Die häufigste Ursache von Schulterschmerzen sind entzündete oder eingerissene Sehnen am Schultergelenk. Teils lagert sich dabei auch Kalk ab, sodass die sogenannte Kalkschulter entsteht.

Beim An- und Ausziehen sowie beim Anheben des Armes treten typischerweise in einem bestimmten Winkelbereich zwischen ca. 40° und 120° Schmerzen auf. Nachts fällt das Schlafen auf dem betreffenden Arm schmerzbedingt schwer.

Ellenbogen

Schmerzen an der Innen- oder Außenseite des Ellenbogens entstehen häufig durch sportbedingt überlastete Beuge- bzw. Strecksehnen im Bereich des Ellenbogens. Mikrotraumen in den Sehnenansätzen können hier zu einer Sehnenentzündung führen.

Eine Entzündung der Sehnenursprünge der Finger- und Handbeugemuskulatur (Innenseite des Ellenbogens) nennt man Golfer-Ellenbogen.

Eine Entzündung der Sehnenursprünge der Streckmuskulatur des Unterarms (Außenseite des Ellenbogens) hingegen nennt man Tennis-Ellenbogen oder Tennisarm.

Handgelenk

Schmerzen am Handgelenk treten durch die daumenseitige Sehnenscheidenentzündung oder den Karpaltunnel auf.

Die Sehnenscheidenentzündung am Daumen (Tendovaginitis stenosans de Quervain) tritt besonders häufig durch Schreibtischarbeit am Computer oder durch Fehlhaltung und Überlastung beim Schreiben mit der Hand auf. Dabei entzünden sich die Sehnenscheiden des langen Daumenabspreizers bzw. des kurzen Daumenstreckers. Besonders häufig betroffen sind stillende Mütter und Frauen nach der Menopause.

Eine weitere typische Stelle für eine Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk ist der Karpaltunnel auf der Handinnenseite. Hier ziehen die Handbeugesehnen gemeinsam mit dem Nervus medianus durch einen knöchernen Kanal, der von einer Bindegewebsplatte überdeckt wird – den Karpaltunnel. Eine Sehnenscheidenentzündung der Beugesehnen führt zur Kompression des Nervus medianus. Typischerweise klagen Patient:innen in der Folge über nächtliche Ruheschmerzen in der Hand und in den Fingern.

Hüfte

Eine häufige Ursache für Schmerzen an der Außenseite der Hüften sind entzündete Gesäßmuskel-Ansätze mit einer begleitenden Entzündung im angrenzenden Schleimbeutel.

Fuß

Am Fuß können Sehnenentzündungen im Ansatzbereich am Knochen auftreten. Typisch ist dies im Bereich der Achillessehne und der Plantarfaszie (Fersenschmerzen).

Bei sportlich aktiven Menschen treten aber auch Sehnenscheidenentzündungen im Bereich von Innen- und Außenknöchel auf: innenseitig an der Tibialis-posterior-Sehne und außenseitig an den Peronealsehnen sowie vorne an den Strecksehnen des Fußes.

MRT

PD Dr. med. Christoph Agten
PD Dr. med. Christoph Agten

Facharzt für Radiologie
Experte für den Bewegungsapparat
PD Dr. med. Christoph Agten ist Facharzt für Radiologie und Experte für muskuloskelettale Radiologie mit Schwerpunkt MRT des Bewegungsapparates. Er hat an der Universität Zürich in muskuloskelettaler Radiologe habilitiert, mehrere Jahre als Oberarzt an der Universitätsklinik Balgrist in Zürich gearbeitet sowie ein Jahr in den USA geforscht.
PD Dr. med. Christoph Agten ist Experte für muskuloskelettale Radiologie mit Schwerpunkt auf den Bewegungsapparat. Er hat mehrere Jahre in Zürich geforscht.
Dr. med. Nikolaus Loehr
Dr. med. Nikolaus Loehr

Facharzt für Radiologie
Experte für den Bewegungsapparat
Dr. med. Nikolaus Loehr ist Experte in der muskuloskelettalen Radiologie mit Schwerpunkt in der MRT des Bewegungsapparates. Er hat an der Universität Zürich studiert, in der Orthopädie an der Endoklinik Zürich assistiert sowie in der Unfallchirurgie publiziert und promoviert.
Dr. med. Nikolaus Loehr ist Facharzt für Radiologie mit Schwerpunkt in der MRT des Bewegungsapparates. Er hat in der Unfallchirurgie publiziert und promoviert.
Dr. med. Corin Hild
Dr. med. Corin Hild

Fachärztin für diagnostische Radiologie
Muskuloskelettale Radiologie
Dr. med. Corin Hild ist Fachärztin für Radiologie mit Schwerpunkt für muskuloskelettale Radiologie. Ihr besonderes Interesse gilt sportmedizinischen Fragestellungen.
Dr. med. Corin Hild ist Fachärztin für Radiologie mit Schwerpunkt für muskuloskelettale Radiologie. Ihr besonderes Interesse gilt sportmedizinischen Fragestellungen.
Dr. med. Kai-Thorsten Müller
Dr. med. Kai-Thorsten Müller

Facharzt für Radiologie
Experte für Abdomen, Neurologie und Orthopädie
Dr. med. Kai-Thorsten Müller hat langjährige Erfahrung im Bereich Schnittbilddiagnostik, insbesondere in der muskuloskelettalen Radiologie (MSK), Neurologie, der Abdominellen Bildgebung und der MR-Mammographie.
Dr. med. Kai-Thorsten Müller hat langjährige Erfahrung in der muskuloskelettalen Radiologie (MSK), Neurologie, der Abdominellen Bildgebung und der MR-Mammographie.
Dr. med. Andreas Kasperczyk
Dr. med. Andreas Kasperczyk

Facharzt für Radiologie
Experte für den Bewegungsapparat und die Kiefergelenke
Dr. med. Andreas Kasperczyk ist Facharzt für Radiologie und Experte im Bereich Muskuloskelettale Radiologie, der Kiefergelenke (CMD) und der MR-Mammographie. Als Leiter einer eigenen Praxis konnte er jahrelange Erfahrung im Bereich Kiefergelenk-Diagnostik sammeln, die er jetzt für ARISTRA erfolgreich einsetzt.
Dr. med. Andreas Kasperczyk ist Facharzt für Radiologie und Experte im Bereich Muskuloskelettale Radiologie, der Kiefergelenke (CMD) und der MR-Mammografie.
PD Dr. med. Erika Jung-Ulbrich
PD Dr. med. Erika Jung-Ulbrich

Fachärztin für Radiologie
Expertin für den Bewegungsapparat
PD Dr. med. Erika Jung-Ulbrich ist Expertin für muskuloskelettale Radiologie mit Schwerpunkt in der MRT des Bewegungsapparates. Sie hat an der Universität Zürich in muskuloskelettaler Radiologie habilitiert und mehrere Jahre als Oberärztin am Universitätsspital Zürich gearbeitet.
PD Dr. med. Erika Jung-Ulbrich ist Expertin für muskuloskelettale Radiologie mit Schwerpunkt in der MRT des Bewegungsapparates.
Dr. med. Michael Willert
Dr. med. Michael Willert

Facharzt für Radiologie
Experte Muskuloskelettale Radiologie & mpMRT Prostata
Dr. med. Michael Willert ist Facharzt für diagnostische Radiologie und spezialisiert auf die Diagnostik des Bewegungsapparates. Weitere Schwerpunkte umfassen die multiparametrische MRT der Prostata, sowie die Onkologische Bildgebung.
Dr. med. Michael Willert ist Facharzt für diagnostische Radiologie und spezialisiert auf den Bewegungsapparat, die Prostata und die Onkologische Bildgebung.
Prof. Dr. med. Lorenz Jäger
Prof. Dr. med. Lorenz Jäger

Fach­arzt für dia­gnostische Radiologie
Expert für onko­logische und HNO-Radiologie
Prof. Dr. med. Lorenz Jäger ist Experte für HNO-Radiologie, Neuroradiologie, muskuloskelettale Radiologie und onkologische Radiologie und hat seine Facharztausbildung an der LMU in München abgeschlossen. Seit 2018 hat er zwei Gastprofessuren inne.
Prof. Dr. med. Lorenz Jäger ist Experte für HNO-, Neuro-, muskuloskelettale und onkologische Radiologie. Seit 2018 hat er zwei Gastprofessuren inne.
Jonas Roesler
Jonas Roesler

Facharzt für Radiologie
Experte für den Bewegungsapparat
Jonas Roesler hat seine Weiterbildung zum Facharzt für Radiologie in verschiedenen großen Krankenhäusern mit internistischen und chirurgischen Schwerpunkten absolviert. Eine seiner Stärken ist seine Vielseitigkeit bei internistischen Fragestellungen. Er ist seit 2020 niedergelassen in eigener Praxis.
Jonas Roesler hat seine Weiterbildung zum Facharzt für Radiologie in verschiedenen Krankenhäusern mit internistischen und chirurgischen Schwerpunkten absolviert.
PD Dr. med. Andreas Lubienski
PD Dr. med. Andreas Lubienski

Facharzt für Radiologie
Experte für Abdomen und Bewegungsapparat
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Lubienski ist Facharzt für diagnostische Radiologie und Experte für Abdominalradiologie, Muskuloskelettalradiologie sowie Interventionelle Radiologie. Als Autor und Co-Autor war er während seiner wissenschaftlichen Laufbahn an mehr als 150 Publikationen beteiligt.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Lubienski ist Facharzt für Radiologie und Experte für Abdominalradiologie, Muskuloskelettalradiologie sowie Interventionelle Radiologie.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann die einzelnen Sehnen hochaufgelöst darstellen und mögliche Entzündungen nachweisen. Vor allem folgende Ursachen sind gut zu erkennen:

  • Schwellung der Sehne und der Sehnenscheide
  • Einrisse in den Sehnen
  • Anlagevarianten, die das Auftreten der Sehnen- oder Sehnenscheidenentzündung begünstigen
  • Mitreaktion der angrenzenden knöchernen Strukturen und Gelenke

Auch andere Differenzialdiagnosen (beispielsweise Veränderungen an Bändern und Gelenkkapsel) lassen sich dabei zuverlässig nachweisen bzw. ausschließen, sodass die Behandlung fokussiert auf das zugrunde liegende Problem ausgerichtet werden kann. 

Eine Kontrastmittelgabe kann bei unklaren Befunden oder zur genaueren Unterscheidung von Krankheitsprozessen in Einzelfällen notwendig sein.

Sehnen­scheiden­ent­zündung: Therapie

In den meisten Fällen kann eine Sehnenscheidenentzündung durch eine konservative Therapie gut ausgeheilt werden. Die konsequente Schonung des betroffenen Körperteils ist dabei der Schlüsselfaktor. In seltenen Fällen kann jedoch auch eine Operation erforderlich sein.

Konservative Therapie­maß­nahmen

  • Schonung
    • Sportpause
    • Ruhigstellung mit einer Schiene (Orthese), mit einem Gips, mit Tape-Verbänden oder Bandagen
    • Kälteanwendung, z. B. Quarkwickel oder Kühlpads
    • Wärmeanwendung
  • Medikamente
    • entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente, typischerweise nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) für 7 bis 10 Tage
    • lokale Kortisoninjektion mit oder ohne Lokalanästhetika
    • Medikamente zur Behandlung der Grunderkrankung bei Rheuma, Gicht oder ähnlichen Krankheiten
    • Antibiotika bei bakteriellen Sehnenscheidenentzündungen

Operationen

Je nachdem, welcher Bereich betroffen bzw. was die Ursache ist, kommen verschiedene Operationsverfahren in Betracht:

  • Entlastung von Engpasssyndromen, z. B. an der Schulter oder im Karpaltunnel
  • Entfernung des entzündeten Gewebes bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen, z. B. Rheuma
  • Entfernung von Narbengewebe, das die Beweglichkeit der Sehnen behindert

Alternative Therapien

  • Physio- und/oder Ergotherapie: Eine auf die Beschwerden angepasste Bewegungstherapie kann helfen, den Alltag besser zu meistern.
  • Faszientraining: Bei der Faszientherapie wird vor allem mit gezieltem Druck und Dehnung gearbeitet, um die betroffenen Stellen zu entlasten.
  • Akupunktur, Elektro- oder Ultraschalltherapie: Diese Behandlungsmöglichkeiten unterstützen die medizinische Behandlung und können Schmerzen lindern.
  • Laser-Therapie: Durch einen Laser wird der Stoffwechsel im betroffenen Bereich angeregt. So kommt es zu einer Abschwellung und Linderung der Schmerzen.
  • PRP-Therapie (Eigenbluttherapie): Dabei wird plättchenreiches Plasma aus dem patient:inneneigenen Blut gewonnen, da dieses reich an Wachstums- und entzündungshemmenden sowie regenerativen Faktoren ist.
  • Osteophatie: Diese ist vor allem bei Fehl- und Überbelastungen sehr hilfreich.

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